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Immer der ruhende Pol
17.04.2010

Weggefährten verabschieden ASV-Coach Klaus Dammann als besonnenen und kompetenten Sportsmann.


Die Sporttasche bleibt zu. Klaus Dammann hat sie vorsichtshalber mit nach Schwaig genommen, falls sich einer seiner Mittelblocker verletzt und er einspringen muss. Das aber wird nicht passieren. Die ASV-Volleyballer gewinnen auch ohne die Hilfe ihres Trainers. Der 37-Jährige hätte gerne gespielt, ein letztes Mal. Dennoch hat er sich dagegen entschieden. „Was hätte das gebracht?“, sagt er. Dammann steht nicht gerne im Mittelpunkt. Auch wenn andere Persönlichkeiten schillernder waren – man denke nur an den ehemaligen ASV- und jetzigen Friedrichshafen-Trainer Stelian Moculescu: Die Geschichte der Volleyball-Abteilung des ASV Dachau lässt sich ohne den Namen Dammann nicht erzählen und Dammanns Leben nicht ohne den Volleyball.
Seine Karriere beginnt in einem Garten in Sonthofen, mit einer gespannten Wäscheleine, ein paar Freunden und einem Ball. Sie führt über das Frankfurter Volley- ball-Internat in die Bundesliga, die Champions League und die Nationalmannschaft. Dammann erlebt die Hochs und Tiefs des ASV, die Deutschen Meisterschaften und den Pokalsieg, die Insolvenz und den Ausverkauf. Am Samstag wird seine Karriere enden. Nach dem letzten Saisonspiel in der Zweiten Bundesliga gegen Mendig (20 Uhr) will Dammann kür- zer treten. 21 Jahre lang hat er vor allem Volleyball gespielt, jetzt soll das Privatleben Vorrang haben.
Wer mit Dammanns Weggefähr- ten spricht, erhält meist eine Antwort: Eher introvertiert sei er, der Brave,der Teamplayer, das Arbeitstier. „Als Spieler war er der Ruhige in der Welt der Aggressiven“, sagt sein einstiger Team- kollege Michael Hänsel. Andreas Liegsalz, Vorstandsmitglied in der Volleyball-Abteilung beschreibt ihn als den „ruhenden Pol der Mannschaft“. Einen wie Dammann finde man heute nur noch ganz selten, sagt Moculescu, einen Leistungssportler, der „menschlich einwandfrei, bescheiden und hilfsbereit ist“. Er könne sich nur positiv an ihn erinnern. Moculescus Einschätzung deckt sich mit den Zeitungsarchiven. An die 800 Artikel finden sich dort – nicht einer ist negativ. Dammann produziert keine Skandale. Vor einigen Jahren soll er nach einer Niederlage in Dresden geblitzt worden sein – doch zu schnell fahren auch andere. Sollte es Geheimnisse im Leben des 37-Jährigen geben, hat er sie gut verborgen.

  

Manchmal aber stand Damm- ann sich mit seinem besonnenen Wesen selbst im Weg. In den 1990er Jahren lieferte er sich mit Andi Boettcher ein Duell um den letzten Stammplatz. „Wenn es ums Sportliche ging, hat Klaus gespielt. Er zählte damals zu den besten Mittelblockern Deutschlands“, sagt Hänsel. Wenn das Team aber jemanden brauchte, der aus sich herauskam und die Mitspieler emotional mitriss, dann stand Boettcher auf dem Feld. „Vielleicht hat er sich manchmal zu weit zurückgezogen“, meint Moculescu. „Wenn er frecher gewesen wäre, wäre er sportlich wahrscheinlich noch weiter nach vorne gekommen.“
Für Dammann ordnete der ehemalige Bundestrainer sogar ein Spezialtraining an. Während alle anderen zur Verbesserung ihrer Sprungkraft mit Gewichtsgürteln über Kästen springen mussten, hing Dammann an zwei Gummiseilen, die an der Decke befestigt waren, und federte wie Batman durch die Halle. „Das war die Methode, mit der Stelian Moculescu dem Klaus mehr Explosivität beibringen wollte“, erzählt der ehemalige ASV-Spieler Wolfgang Besenböck. Dammann blieb der Ruhige, auch als Trainer. „Meine Jungs würden merken, wenn ich mich verstelle. Ich wäre nicht glaubwürdig“, sagt er. Der Umgang im Team ist locker und doch professionell. Dammann will aus jedem Spieler das Beste herausholen, sportlich und menschlich. Aus jungen Volleyballern formte er in fünf Jahren ein Team – trotz geringen Etats, mäßig besuchter Heimspiele und der Scherer-Halle, die mit sieben Metern Höhe für Bundesliga-Volleyball eigentlich zu niedrig ist. „Dass wir hier einen Zweitligisten haben, ist sicher auch ihm zu verdanken“, sagt Sportreferent Günter Dietz.
Mit 16 Jahren zog Dammann von daheim aus, Selbstständigkeit ist ihm wichtig. „Er hatte es im Internat nicht leicht. Er war ein Jahr jünger und kam ein Jahr später“, sagt Co-Trainer Marc Fertig. In der Jugend waren die beiden Konkurrenten, heute sind sie Freunde.
„Er musste sich damals viel von mir anhören, was unter die Gürtellinie ging“, sagt Fertig. Dammann absolvierte die Hauptschule, machte eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, holte seine Mittlere Reife und sein Fachabitur nach und studierte Architektur.
Die Spieler schätzen ihren Trainer. Kapitän Thomas Mersmann lobt seinen guten Draht zum Team. Dammann sei ein Kumpeltyp, der seine Erfahrung weitergebe. „Er weiß, wann er die Zügel anziehen muss“, sagt Ex-Zuspieler Maxi Kaufmann. Die Fans würden sich manchmal einen energischeren Coach wünschen, der här- tere Töne anschlägt. „Wollen Sie einen strengen Chef haben?“, fragt Mihai Paduretu, Unterhachings Trainer und ehemaliger Dachauer Spieler. Die Antwort gibt er selbst: „Nein. Ein Chef muss fä- hig sein.“


 




Author: Melanie Staudinger
erschienen am: 17.04.2010
erschienen in: "Dachauer SZ"
TERMINE
11.09.2010
Herren/2. Bundesliga 20.00 Uhr - Georg-Scherer-Halle ASV Dachau : VYS Friedrichshafen

18.09.2010
Herren/2. Bundesliga 20.00 Uhr - Georg-Scherer-Halle ASV Dachau : TSV Grafing

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